Erinnere dich an einen guten Film. Welcher fällt dir ein?

Lass mich raten: Du erinnerst dich an diesen guten Film wegen eines wichtigen Bestandteils, den viele schlechte Filme einfach nicht haben.

Dieser Bestandteil fehlt auch den meisten Workshops. Wovon ist die Rede?

Dem Ende.

Das Ende eines guten Films lässt uns mit offenem Mund zurück. Die Anspannung löst sich und wir sagen: „Das war der Hammer!“

Und alles nur, weil das Ende perfekt war.

Das Ende deines Workshops ist wichtiger, als du denkst

Ein gutes Ende unterscheidet einen guten Film von einem schlechten Film. Gleiches gilt für deine Workshops, Schulungen und Trainings.

Ein gutes Ende führt dazu,

dass die Teilnehmer Lust haben, die Inhalte auch umzusetzen,
dass sie noch lange über die Schulung sprechen und sie weiterempfehlen und
dass sie auf dich zukommen, um noch mehr über das Thema zu erfahren.

Im Umkehrschluss bedeutet das leider auch:

Ein schlechtes Ende führt dazu,

dass die Teilnehmer frustriert zurückbleiben,
dass sie dich nicht für einen weiteren Workshop beauftragen und
dass sie die Schulung nicht ihren Kollegen empfehlen.

Warum erinnern sich Teilnehmer deines Workshops besonders an das Ende?

Die Antwort auf diese Frage findet sich im Rezenzeffekt.

Glanzer und Cunitz waren die ersten Wissenschaftler, die dieses psychologische Phänomen untersuchten. Im Jahr 1966 gaben sie 240 Angehörigen der Armee eine Liste von Wörtern, welche diese auswendig lernen sollten. Im Anschluss baten sie die Männer, sich an einige der Wörter zu erinnern. Es wird dich jetzt nicht überraschen, dass eines der Ergebnisse ihrer Untersuchung lautete:

Die Soldaten erinnerten sich mit höherer Wahrscheinlichkeit an Elemente, die sich nahe am Ende der Liste befanden. Dieses Phänomen wird als Rezenzeffekt bezeichnet.

(Neben den Einträgen am Ende der Liste bestand auch eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich die Männer die Elemente vom Anfang gemerkt hatten. Wie du dieses Ergebnis in deinem Workshop anwenden kannst, erfährst du in meinem Beitrag: „4 Beispiele, um deine Online-Workshops und Trainings ohne langweilige Vorstellungen zu starten!“)

Wie kannst du dir den Rezenzeffekt in deinen Workshops zunutze machen?

Gestalte das Ende deines Workshops einprägsam.

In meinem „Training from the Back of the Room“-Training gebe ich den Teilnehmern dazu einen einfachen Ansatz an die Hand, den du auch für deine Workshops, Scrum Events, Teammeetings und Schulungen verwenden kannst. Stelle dir dazu deinen Workshop als eine Wanderung vor. Es gibt ein konkretes Lernziel für die Teilnehmer und du hast eine Karte, wie du sie dorthin führst. Diese Karte besteht aus vier Phasen, wobei die letzte Phase als „Schlussfolgerung“ bezeichnet wird.

Schlussfolgerungen sind kurze, auf die Teilnehmer ausgerichtete Abschlussaktivitäten, in denen sie

das Gelernte zusammenfassen,
bewerten, was sie gelernt haben,
einen Aktionsplan aufstellen,
sich verpflichten, das Gelernte anzuwenden und
die Lernerfahrung feiern.

Die Punkte im Detail:

Zusammenfassen: Das hast du richtig gelesen. Nicht der Moderator des Workshops oder der Trainer fasst den Inhalt zusammen, sondern die Teilnehmer.

Bewerten: Es geht hierbei nicht darum, den Workshop oder die Schulung zu bewerten, sondern darum, was die Teilnehmer dabei gelernt haben. Sie sollen also ihren Lernfortschritt bewerten.

Planen: Hierbei überführen die Teilnehmer die Einsichten des Workshops in konkrete Handlungsschritte. Es reicht bereits, einen ersten Schritt konkret zu formulieren, um den Ball ins Rollen zu bringen.

Verpflichten: Die Wahrscheinlichkeit, die Einsichten des Workshops auch nach dem Termin umzusetzen, steigt, wenn die Teilnehmer sich öffentlich dazu verpflichten, diese anzuwenden. „Öffentlich“ ist hier ein großes Wort. Was ich damit meine: Die Teilnehmer im Workshop erzählen einem anderen Teilnehmer, wie sie ihre Erkenntnisse umsetzen wollen.

Feiern: Das letzte Element der Schlussfolgerung und das Wichtigste. Es ist erstaunlich, wie viele Moderatoren und Trainer aus Zeitgründen darauf verzichten. Das ist bedauerlich, denn es ist das Element, das oft am stärksten in Erinnerung bleibt. Es ist das Gefühl der positiven Energie, das die gesamte Lernerfahrung abrundet.

Und auch der Schlüssel dazu, dass dein Workshop für die Teilnehmenden einprägsam wird:

Feiern setzt Endorphine frei, die Glücksbotenstoffe des Gehirns. Lade am Ende des Workshops die Teilnehmenden ein, ihre Arbeit, Ergebnisse und Einsichten zu feiern. Damit bewirkst du, dass die Teilnehmer mit einem guten Gefühl aus dem Workshop gehen und an einer weiteren Veranstaltung dieser Art teilnehmen möchten. Der Rezenzeffekt spielt dir dabei in die Karten, da er dieses Gefühl noch verstärkt und dafür sorgt, dass es den Teilnehmern lange in Erinnerung bleibt. 

Jetzt kennst du den Schlüssel zu einem einprägsamen Ende eines Workshops.

Beende deinen Workshop mit diesen 3 Schritten, dann bleibt er in Erinnerung

Damit du selbst diese Erkenntnisse gleich bei deinem nächsten Workshop anwenden kannst, hier ein Beispiel, wie ich die meisten meiner Workshops und Trainings mit drei Schritten beende:

Schritt 1: Lade die Teilnehmer ein, folgende vier Fragen zu beantworten:

„Ein Gefühl, das ich habe, lautet …“
„Die größte Einsicht, die ich hatte, lautet …“
„Wie plane ich, diese Einsicht umzusetzen?“
„Ein abschließender Kommentar, eine Frage oder ein Vorschlag lautet …“

Schritt 2: Lade die Teilnehmer ein, ihre Antworten auf diese vier Fragen einander paarweise vorzustellen.

Schritt 3: Feiere zusammen mit den Teilnehmern die Einsichten mit einem Applaus.

Diese drei Schritte sind ein einfacher Weg, wie du Schlussfolgerungen in deine Workshops integrieren kannst. Wenn du weitere Techniken lernen möchtest, damit die Ergebnisse deiner Workshops hochwertiger werden, dann besuche mein nächstes „Training from the Back of the Room“-Training. So wie Alexandra:

 

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